hunde, die welpen großziehen, erziehen sie zu
perfekten hunden. wölfe, die wolfwelpen
großziehen, erziehen sie zu perfekten wölfen,
die auf das überleben vorbereitet sind.
wenn menschen welpen zu hunden erziehen,
bekommen sie probleme. warum?

als erstes gewähren wir den welpen nicht die
natürliche erziehung, die sie bekommen hätten
und bekommen sollten, wären sie von anderen
hunden erzogen worden. zweitens erwarten
wir vom hund, dass er die menschlichen regeln
beachtet, die für den hund oft bedeutungslos
sind und drittens wir übersehen das alter des
hundes, sein entwicklungsstadium und seine
fähigkeiten. das ergebnis ist, dass der hund
unsere zu hohen anforderungen nicht erfüllt.
welpen, die inmitten ihresgleichen
aufwachsen, erlernen allmählich die selbst-
beherrschung, die sie als erwachsene
brauchen. und sie lernen sehr gut!
als erwachsene beherrschen sie dann die
selbstkontrolle, die sie zum überleben
brauchen. wir müssen lernen, welpen in
ähnlicher weise zu erziehen, wie sie andere
hunde erziehen würden von der geburt bis
zum erwachsensein.

der erste und hauptsächliche fehler, den wir
als welpenbesitzer machen, ist, dass wir
unsere erwartungen und anforderungen so
hoch setzen, dass sie der welpe nicht erfüllen
kann.
in der natur und da, wo die hunde in einer
meute natürlich aufwachsen können, lernen sie
die selbstbeherrschung sehr allmählich. bis sie
etwa 16 bis 20 wochen alt sind, haben sie eine
sogenannte welpenlizenz. sie lassen ihre lizenz
herumflattern und sagen: na – na – na, du
kannst mir nichts anhaben, ich habe eine
welpenlizenz! wir sehen oft, wie die welpen
diese lizenz ausnützen. sie tyrannisieren die
erwachsenen hunde, und wir können beinahe
dieses schadenfrohe funkeln in ihren augen
sehen. in dieser zeitspanne lassen die
erwachsenen hunde die welpen mit
unglaublicher geduld gewähren.
im alter von 16 bis 20 wochen läuft die
welpenlizenz aus. nun müssen die welpen
allmählich lernen, sich besser zu beherrschen
und sich höflicher zu benehmen. man wird
ihnen immer noch viele fehler und irrtümer
vergeben – immerhin sind sie noch keine
erwachsenen. das erwachsensein wird ganz
natürlich mit der zeit und erfahrung kommen.
es mag verwirrend erscheinen, dass sich ein
welpe innerhalb von nur wenigen tagen von
einer stufe zur nächsten entwickelt, aber wir
müssen bedenken, dass sie in weniger als zwei
jahren vom welpen zum erwachsenen werden.
zum vergleich: menschen brauchen 20 jahre
bevor sie sich erwachsene nennen können –
manche brauchen sogar noch länger.

wenn mit etwa 4 bis 4,5 monaten die
welpenzeit vorbei ist, beginnt die adoleszenz.
sie besteht aus mehreren stufen und dauert
bis zu etwa zwei jahren. manchmal dauert sie
länger, manchmal weniger lang. junge hunde
sind wie junge menschen:
sie lieben action und geschwindigkeit.
sie langweilen sich leicht wenn nichts passiert.
sie haben überhaupt keine selbstbeherrschung.
sie haben sich nicht unter kontrolle, wenn
etwas aufregendes passiert - wie kinder, die
ein feuerwehrauto sehen oder hunde, die ein
kaninchen riechen.
ihre fähigkeit, sich über längere zeiträume zu
konzentrieren, ist gering. während kinder
vergessen nach der schule gleich nach hause
zu kommen, vergisst der hund, was du ihm vor
10 sekunden gesagt hast, was er machen soll.
sie sind lieber mit anderen hunden zusammen,
die gleichaltrig sind oder die gleichen
interessen haben.
sie spielen lieber als andere dinge zu tun.
sie finden die lernerei langweilig und man muß
sie spaß daran finden lassen. junge hunde
brauchen training, aber in kurzen abschnitten
und mit spaßeinlagen, so dass sie dabei bleiben
können und es ihnen nicht überdrüssig wird.
ihrem verlangen nach aktivitäten kann man
mit kurzen und leichten trainingsabschnitten
begegnen bei einem einfachen geschicklich-
keitslauf, bei zurückrufübungen, bei
spaziergängen im wald, beim zusammensein
mit anderen hunden und beim spielen ohne
leine usw. sie müssen allmählich lernen sich
selbst zu beherrschen, aber nur wenig auf
einmal. deshalb machen wir die dinge
schrittweise, wie vom hund erwarten, dass er
allmählich länger bei übungen wie sitz! – bleib!
bleibt – 2 sekunden, 5 sekunden, 10 sekunden
usw.
sei rücksichtsvoll, wenn der hund seine
konzentration verliert – erlaube ihm eine
pause, um sie zurückzubekommen, hilf ihm,
das training fortzusetzen.
veranlasse, dass sich der heranwachsende hund
mit anderen hunden trifft – wichtig!
vermeide lange trainingsabschnitte, die
dieselbe übung immer wiederholen, strafen
usw., so dass der hund nicht müde wird und
ihm das training nicht überdrüssig wird.
sozialisation – soziales training mit menschen
und tieren ist wichtig. lehre den hund mit
allen arten von situationen in allen arten von
umgebungen fertig zu werden.
übe spaßaktivitäten wie tricks, apportieren,
suchen, spurenverfolgen usw.

wir dürfen nicht vergessen, dass hunde soziale
wesen sind, die kommunikation, höfliches
benehmen und selbstbeherrschung lernen
müssen. sonst wird das leben in einer meute
völlig untragbar. und während der kindheit
und adoleszenz lernen sie nach und nach,
genau so wie menschen.
wer hat je ein 4 oder 6 jahre altes kind mit
selbstbeherrschung gesehen? wenn der
vierjährige hysterisch wird, so ist es sinnlos,
mit ihm oder mit ihr zu argumentieren.
dasselbe gilt für ein sechsjähriges kind. es ist
hoffnungslos, ihm während der hysterischen
phase etwas beizubringen. wir müssen ihnen
zuerst zeit geben, sich zu beruhigen, bevor wir
versuchen, ihnen etwas beizubringen.

wenn hundebesitzer mit einem jungen hund,
einem sechsjährigen, in den unterricht
kommen, wird dieser hund leicht zu aufgeregt
werden durch die neuen hunde, einen neuen
platz, eine neue situation usw. gleichzeitig
erfordert der unterricht, dass der hund und
der besitzer einem genauen übungsprogramm
folgen, und das programm zusätzlich viel zu
lang für einen jungen hund ist. kein wunder,
wenn der sechsjährige erregt und sogar
hysterisch wird. sehr viele besitzer brechen
diesen unterricht ab, weil ihre hunde impulsiv,
aufgeregt und beinahe hysterisch sind. sie sind
nicht verrückt wie einige zu den besitzern
sagen könnten, aber ihr stressniveau ist auf
einem maximum und ihre selbstbeherrschung
auf einem minimum. natürlich! weil sie vorher
nicht gelernt haben, mit solchen situationen
fertig zu werden. es muß schief gehen!

der gebrauch von gewalt, um den hund dazu
zu bringen, aufmerksam zu sein, wird in einer
solchen situation wahrscheinlich nichts
bewirken. im gegenteil, wenn der hund nicht
schon hysterisch wäre, würde er es werden,
wenn wir gewalt anwenden und unfreundlich
sind. wir sollten unsere anforderungen an den
hund nicht zu schwierig machen. wenn der
hund mit einer situation nicht fertig wird,
dann wird er eben einfach nicht damit fertig.
wir können vermeiden, dass der hund
hysterisch wird, indem wir lernen, ihn und
seine gemütsverfassung zu beobachten,
lernen zu sehen das die temperatur steigt und
stoppen was wir taten, bevor der hund das
streßniveau erreicht hat, in welchem er
unfähig ist zu kommunizieren und zu lernen.

frühes eingreifen/unterbrechen ist das schlüsselwort. das eingreifen kann sein:
das training zu stoppen.
selbst weniger bedrohlich zu handeln.
zuzulassen, dass der hund seine lage verändert
z.b. vom liegen oder stehen zum nicht aktiven
sitzen.
halte die leine locker – sie muss so lose sein,
dass sie hängt, sonst wird der hund den druck
der leine fühlen. denke daran, dass eine
straffe leine der schnellste weg ist, die
aggression zu steigern.
kämpfe nicht mit dem hund. bleibe ruhig und
selbst beherrscht – wie soll der hund
selbstbeherrschung lernen, wenn du kein
gutes beispiel gibst?

der junge hund ist in einer übergangsphase,
und es gibt eine menge zu erkunden und zu
testen. erlaube dem hund zu erforschen.
erlaube ihm einen geschmack vom leben zu
bekommen und dinge auszuprobieren. es ist
völlig harmlos. wir brauchen grenzen, aber
versichere dich, dass sie so gesetzt werden,
dass der hund kein gefangener ist ohne die
freiheit aktiv zu sein und dinge selbst
auszuprobieren. sollte er schwierig werden,
sozusagen eigensinnig oder gereizt, so ist es
nicht, weil er die führerschaft übernehmen
will oder top-hund werden will, sondern eher
um zu erforschen und herauszufinden, wie die
dinge funktionieren. ein junger hund will nicht
führer werden, er denkt überhaupt nicht
daran. aber er muss die dinge überprüfen um
die arten von reaktionen zu sehen, die er
erhalten wird, wenn er später je darüber
nachdenkt.
überreagiere nicht! es genügt, sich
umzudrehen und ihn zu ignorieren – das sagt
mehr als tausend worte. sich umdrehen und
den heranwachsenden ignorieren ist genau das,
was der erwachsene hund tun würde.

auf keinen fall solltest du mit dem hund
physisch werden – vermeide physische
unannehmlichkeiten wie ihn am genick
schütteln, ihn an den wangen packen während
du ihm in die augen schaust, oder andere
grausame und furcht erregende strafen.
beachte wie die vertrauensvollen,
erwachsenen hunde es machen und mache es
genau so. erwachsene hunde lassen es den
heranwachsenden hund erkennen ohne brutal
zu sein – sie drehen sich um und gehen weg.
sie mögen schreien, aber nicht mehr.

knurrt dein hund? wunderbar! das heißt, dass
er nicht bis zur passivität verängstigt wurde
und einen natürlichen teil seiner
kommunikation erhalten hat. knurren ist nicht
gefährlich, es ist nur die art, um andere
erkennen zu lassen, dass er sich unwohl fühlt.

hast du etwas gemacht, das den hund
provozierte? wenn es so ist, dann höre damit
auf. provokationen, um einige zu nennen,
können sein: an der leine zerren, schreien und
schimpfen, ihn am genick packen, ihn stoßen,
zwicken, ihm das futter wegnehmen, ihn im
schlaf stören, oder, wenn er ausruht, ihm mit
ärgerlicher stimme befehle erteilen, zu viel
von ihm zu verlangen, ihn zu kurz zu halten,
ihn ärgern, sich über ihn beugen und direkt auf
einen hund zugehen, der an der leine ist.
wurde der hund durch etwas erschreckt? dann
vermeide es, dass er nochmals erschreckt wird,
sonst werden seine verteidigungsreaktionen
nur noch stärker.
macht er es nur um deine reaktion zu testen?
wende dich von ihm ab! er wird sofort
aufgeben. in einer solchen situation muss
wenigstens einer von euch beiden cool bleiben.
die meisten konflikte zwischen hunden und
ihren besitzern resultieren aus dem versuch,
über den hund zu dominieren, nicht anders
herum. sitz! zu benutzen ist in konflikt-
situationen psychologisch korrekt. es ist eine
neutrale haltung, die mehr nach kooperation
als nach unterwerfung verlangt. und sitzen ist
natürlicher als alles andere, auch für einen
erregten hund.
um selbstbeherrschung zu lernen, muß ein
junger hund einen lernprozess durchlaufen.
wir können ihm helfen, indem wir selbst
einiges beachten:
der hund weiß nicht, welche möglichkeiten er
hat. wir müssen ihm beibringen, dass er
wählen kann zwischen sich ruhig hinzusetzen
anstatt zu springen, herumzurennen und an
der leine zu zerren. durch die situation ist der
adrenalinspiegel im blut hoch, und der hund
fühlt sich unbehaglich, sobald er nicht weiß,
was er machen soll. wir können dem hund
helfen zu lernen, die situation zu beherrschen.
bewege dich langsam. benutze ruhige und
langsame körperbewegungen. deine
körpersprache und dein benehmen werden
den hund überzeugen.
verwechsle nicht selbstkontrolle mit physischer
gewalt. selbstkontrolle ist freiwillig, physische
gewalt ist es nicht. vermeide es, den hund zu
stoßen, zu zwingen, zu ziehen und zu
schieben. halte die leine lose. die reaktion auf
physische gewalt würde nur ein noch höheres
streßniveau sein.
praktiziere in allen situationen selbst-
beherrschung. praktiziere zuerst in gebieten
ohne ablenkung, in kurzen abschnitten und
loser leine. laß den hund am anfang nicht zu
lange sitzen – die muskeln werden sonst müde
und schmerzhaft.

wir haben auch andere hilfsmittel wie
beruhigende signale und belohnung, wenn der
hund sich richtig verhalten hat. eines tages
wirst du einen erwachsenen hund haben, der
weiß, sich zu benehmen, der sich selbst
beherrschen kann und der kooperieren will.
dieser tag wird kommen, wenn du den hund
mit allmählich ansteigenden anforderungen
erziehst, so dass sie der hund bewältigen kann.
sei rücksichtsvoll – dein hund braucht zeit zum
heranwachsen genau wie wir.

übersetzt von helga enderes

der welpe und der junge hund
- über das heranwachsen / turid rugaas
original english
www.canis.no/rugaas/onearticle.php?artid=2






















welpenlizenz



































der junge hund





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frühes eingreifen/ unterbrechen

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wenn der hund die türen zuschlägt













































wenn er knurrt / murrt / schnappt / 1 /










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mönchzell, den 12. november 2005