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wie sich aber ein hund in seinem wesen
entwickelt, hängt nicht nur davon ab, was in
seinen erblichen anlagen steckt, sondern auch
davon, was wir ihm als naturnotwendige
fürsorge von beginn seines lebens an
garantieren. dieser einfluss ist sehr viel grösser
und weitreichender, als bisher im allgemeinen
geglaubt wird. deshalb befasst sich dieser leitfaden damit, praxisnah jenes grund-
verständnis der natur zu ermöglichen, das den
heutigen bedürfnissen von mensch und hund
nachhaltig dient und dem aktuellen stand des
wissens entspricht.
nutzen daraus soll zunächst einmal der züchter
ziehen, der bisher die lösung mancher
verhaltens- und wesensprobleme vergeblich in
den genen sucht. aber auch der künftige
hundehalter soll wissen, worauf es wirklich
ankommt. so mag noch selbstverständlich sein,
dass man einen welpen weder über den
versandhandel bezieht, noch am autobahn-
parkplatz kauft. auch der klangvolle name des
stammbaumes ist es nicht. viel wichtiger ist,
wie es mit der sozialen kompetenz eines
züchters und dessen gestaltung der aufzucht-
bedingungen aussieht. vor allem geht es aber
darum, zu verstehen, was für eine gelingende
verhaltens- und wesensentwicklung von einem
so hoch organisierten lebewesen wie dem hund
tatsächlich entscheidend ist.
darin liegt noch ein anderer, höchst
bedeutsamer und oft nicht ausreichend
bedachter effekt. er besteht darin, dass viele
grundsätzliche mechanismen und abhängig-
keiten des verhaltens beim hund dem prinzip
nach jenen des menschen oft sehr ähnlich sind.
das gilt vor allem für das lernen und die
gefühlsentwicklung. ohne unzulässige gleich-
macherei können daher viele probleme bei
unseren hunden ein überschaubares und
nachdenklich machendes modell für manche
probleme in unserer gesellschaft, vor allem im
umgang mit kindern sein. ein solcher vergleich
ist umso weniger anstössig, jemehr wir dabei
bemüht sind, die verbleibenden unterschiede
zwischen mensch und hund zu sehen und zu
suchen.
als autoren bemühen wir uns über jeweils
unterschiedliche lange zeiträume und aus
verschiedenen perspektiven auf das
aufmerksam zu machen, was in der vergangen-
heit entweder schleichend verloren gegangen
oder trotz neuer und weiterführender
erkenntnisse unberücksichtigt geblieben ist.
wir stützen uns dabei nicht nur auf das von uns
zugänglich gemachte wissen und die daraus
ermöglichten einsichten. der analysierte
hintergrund wird auch von den praktischen
erfahrungen des lebens bestätigt.
eine vorreiterrolle hat dabei die international
renommierte stiftung schweizerische schule
für blindenführhunde allschwil übernommen.
in langjähriger zusammenarbeit wurde dort
pionierarbeit für ein neues grundverständnis
der zusammenhänge von zucht und wesen
geleistet. die erzielten ergebnisse dürfen in
ihrer bedeutung weit über die grenzen der
schweiz hinausreichen.
verschiedene einblicke finden sie auch in
diesem leitfaden.
freuen sie sich also auf den gewinn neuer ein-
und aussichten für die gestaltung ihrer zucht
oder beim erwerb ihres neuen vierbeinigen
hausgenossen.
dieser leitfaden ist vor allem auf eine kurze
und übersichtliche darstellung von vernetzten
sachverhalten mit grundsätzlicher bedeutung
sowie deren gute verständlichkeit ausgerichtet.
wer sich mit den angesprochenen zusammen-
hängen etwas näher befassen möchte, ist gut
beraten, für seine speziellen fragen und ein
vertieftes hintergrundwissen das buch
hundeverhalten - das lexikon heranzuziehen.
schlüsselwörter und begriffe, die in dem
vorliegenden leitfaden kursiv geschrieben sind,
wie beispielsweise soziale kompetenz, passung,
oder auslese, finden in dem genannten lexikon
weitergehende und eingängige erklärungen.
zusätzliche literaturhinweise stehen am ende
dieses leitfadens.
wie alles leben auf der erde, unterliegt auch
das verhalten und wesen unserer hunde
bestimmten gesetzmässigkeiten der natur. als
wolfsabkömmlinge wurden sie über den langen
und verschlungenen weg der domestikation,
womöglich auch der koevolution an die
unterschiedlichsten bedürfnisse des menschen
angepasst. ein kaum zu glaubender variations-
reichtum, wie er auch durch die grosse rasse-
vielfalt zum ausdruck kommt, legt davon
zeugnis ab. je nachdem, zu welchem nutzen
des menschen hunde dann schliesslich
planmässig gezüchtet wurden, sind sie zu den
unterschiedlichsten verhaltensleistungen
befähigt. ihr lebensraum, ihr verwendungs-
zweck und die art ihrer beanspruchung und
beschäftigung standen dabei ursprünglich in
einem zueinander passenden verhältnis.
diese passung entspricht dem vorbild und
wirkungsgefüge der natur in der weise, wie
beispielsweise eisbären im kalten norden und
kamele in heissen wüsten- und steppen-
gebieten leben. die betreffenden lebewesen
haben sich in ihrem organismus und ihrem
verhalten in einem von uns menschen nur sehr
schwer vorstellbar langen zeitraum von jahr-
millionen bestmöglich in ihren jeweiligen
lebensraum eingepasst. das lebewesen und sein lebensraum, also seine spezielle umwelt,
gehören aufs engste zusammen und sind für ein
selbsttändiges leben nicht beliebig
veränderbar.
anders ist es bei uns menschen. im laufe
unserer entwicklungsgeschichte haben wir uns
unter gebrauch von werkzeug und selbst
geschaffenen hilfsmitteln solche voraus-
setzungen gestaltet, die ein leben unter
extrem unterschiedlichen bedingungen -
zumindest befristet - möglich machen.
im begrenzten umfang gilt das auch für unsere
hunde, sofern wir dabei als fürsorgegaranten
schutz und fürsorge übernehmen und die
grenzen ihrer jeweiligen anpassungsfähigkeit
nicht überschritten werden.
die grenzen der anpassungsfähigkeit eines
hundes werden beispielsweise dort über-
schritten, wo von ihm körperliche und
psychische leistungen abverlangt werden, die
er nicht erbringen kann. aber auch dort, wo
ein hund ein hohes leistungsvermögen besitzt,
es jedoch durch die art seiner haltungsbeding-
ungen nicht beanspruchen und ausleben kann,
wird die fähigkeit, mit seiner umwelt und sich
selbst zurecht zukommen, überfordert. so ist
zum beispiel völlig natürlich, wenn ein
antriebsstarker und hochveranlagter jagdge-
brauchshund ausschliesslich als familiärer
haushund in der stadt gehalten wird und seine
ständig unterdrückten antriebe zunächst
unarten sowie zunehmend verhaltens-
störungen, dann unerwartete zerstörungswut
und schliesslich unkontrollierbare aggressivität
entstehen lassen.
häufiger noch entstehen probleme, oft auch
sogenannte wesensmängel dadurch, dass ein
hund mit dem leben in unserer belastungs-
reichen zivilisationsumwelt, den lebensgewohn-
heiten seines halters oder mit der erfüllung
der an ihn speziell herangetragenen aufgaben
einfach nicht fertig wird. dies, obwohl die
jeweilige rasse oder die betreffende zucht eine
solche enttäuschung nicht erwarten lässt. auch
hier handelt es sich in den häufigsten fällen
um ein anpassungsproblem. wir werden uns
aber weniger damit auseinander setzen, dass
die erwartete anpassungsfähigkeit eines hundes
zunächst einmal eine frage der vernunft, also
gewissermassen des gesunden menschenver-
standes ist. was in der zucht oder auswahl von
hunden vernünftig ist, werden wir uns nicht
anmassen hier festzulegen. vielmehr setzen
wir die grundsätzlich notwendigen einsichten
dazu voraus und versuchen die mehr
verborgenen abhängigkeiten offenkundig zu
machen. die anpassungsfähigkeit des einzelnen
hundes spielt sich auf ganz verschiedenen
ebenen ab.
wir werden uns bemühen, dazu die wichtigsten
zusammenhänge in einer weise darzustellen,
dass sie zunächst freude am erkennen
ungewohnter einsichten und schliesslich erfolg
bei ihrer praktischen anwendung haben.
die entstehung und der wandel der lebewesen
auf unserer erde hat damit zu tun, das in erd-
geschichtlich langen zeiträumen, jahrmillionen
und jahrtausenden eine fortschreitende
anpassung der arten an die sich ebenfalls
ändernde umwelt stattfand und immer noch
stattfindet. im allgemeinen bleibt die jedoch
von uns menschen unbemerkt, weil der
natürliche veränderungs- und anpassungs-
prozess in der zeitspanne eines einzelnen
menschenlebens kaum feststellbar ist. so wird
meist erst im rückblick auf jahrtausende und
jahrmillionen dieses geschehen nachvollziebar.
und nach dem heutigen stand des wissens
erklärbar.
ein grundlegender mechanismus dieses
geschehens besteht darin, dass lebewesen
einer nachfolgegeneration nicht das identische
abbild ihrer eltern sind. vielmehr sind sie
innerhalb gewisser bandbreiten das ergebnis
eines spiels an möglichkeiten und unterschei-
den sich deshalb genetisch von ihren eltern.
wie gut die nachkommen mit ihrer neuen
mischung an erblichen eigenschaften in ihre
umwelt passen, stellt sich dann im ringen um
das dasein heraus.
ist ihre erbliche mixtur, also die neukombina-
tion ihrer gene weniger gut für die anforder-
ungen ihrer umwelt geeignet, werden sie nicht
oder nicht allzu lange überleben. sind sie
hingegen besser angepasst, haben sie grössere
chancen, am leben zu bleiben und wieder
nachkommen zu haben, die wiederum den
gleichen spielregeln oder besser gesagt gesetz-
mässigkeiten unterliegen. der genetische
wandel nimmt sozusagen nach zufall und not-
wendigkeit seinen lauf.
in beschleunigter weise ist dies nach dem
gleichen prinzip bei der domestikation und
noch schneller bei der gezielten zucht unserer
haustiere und somit auch bei unseren hunden
der fall.
der entscheidende und beschleunigende
unterschied besteht darin, dass hier die auslese
bezüglich der eignung der tiere nicht von der
natur, sondern von der vorstellung des
menschen bestimmt wird. mit diesem wandel
von der natürlichen zur künstlichen auslese ist
es unter anderem auch möglich geworden,
dass solche hunderassen existieren, die unter
natürlichen bedingungen gar nicht
lebensfähig wären.
ganz allgemein kann man sagen, dass über den
weg der domestikation und planmässiger zucht
unser haushund mehr oder weniger seine
ehemals natürliche selbstständigkeit als wolf
verloren hat und heute weitgehend vom wohl
und wehe des menschen abhängt. so kann sich
ein hund im allgemeinen weder seine art-
eigenen fortpflanzungspartner aussuchen, noch
mit wem er eine lebensgemeinschaft führen
will und welche art von umwelt ihm am
liebsten wäre.
damit ist aber auch der mensch in eine rolle
geraten, die ihn als fürsorgegarant dazu
verpflichtet, all das zu tun, was das wohl-
ergehen der von uns abhängigen hunde best-
möglich sichert.
die anpassung der lebewesen an die anforder-
ungen ihrer umwelt geht nicht nur den langen
weg allmählicher genetischer veränderungen.
geradezu wie aus einem zauberkasten hat die
natur noch andere und jeweils unterschiedlich
tief und schnell wirkende lösungen parat.
das gilt auch für unseren hund.
eine der bisher am wenigsten durchschauten
und in ihrer tragweite nicht ausreichend
verstandenen strategien besteht darin, dass
gene in ihrer funktion und wirkung durch
direkte und indirekte einflüsse der umwelt
ein- oder ausgeschaltet werden. das heisst,
dass bei gleicher veranlagung allein durch
einflüsse der umwelt ganz unterschiedliche
eigenschaften entstehen können. die
veränderungen gehen natürlich nicht so weit,
dass aus einem afrikanischen löwenhund ein
bernhardiner wird, nur weil er in der wunder-
schönen bergwelt des st. bernhards aufwächst.
der unterschied kommt also nicht etwa durch
eine veränderung der genetischen struktur,
also der erblichen anlagen zustande, sondern
dadurch, dass das gleiche erbgut durch
umweltbedingte einflüsse andere, gewisser-
massen alternative wege der entfaltung
gehen kann.
auf diese zusammenhänge sind wir u.a. im
rahmen der serie lernen und verhalten mehr-
fach eingegangen, zuletzt in teil 16 gene:
vorstellung und wirklichkeit / shm 1/2006.
der kürze wegen sei hier lediglich in geraffter
form ein einziges, aber sehr eindrückliches
beispiel in erinnerung gebracht / siehe auch
teil 15 / stress: ursachen und folgen im
zuchtgeschehen / shm 2/2005.
wird ein trächtiges säugetier mit stress
konfrontiert, den es nicht bewältigen kann, verändert sich für den entstehenden nach-
wuchs die unmittelbare umwelt des
versorgenden mutterleibes. die zusammen-
setzung des inneren chemischen milieus
ändert sich und nimmt dadurch einfluss auf
die art und weise, wie das genetische
entwicklungsprogramm realisiert wird /
vorgeburtliche einflüsse.
die embryonen versuchen gewissermassen,
sich im rahmen ihrer entwicklungsmöglich-
keiten an die vom üblichen abweichenden
umweltbedingungen anzupassen. gelingt das
im extremfall nicht, weil etwa die indirekt
erzeugten einflüsse zu massiv sind, so kann
es sein, dass sich je nach dem bis dahin
erreichten entwicklungsgrad die embryonen
auflösen oder es zu fehlgeburten kommt.
liegen die einflüsse in einem noch verkraft-
baren rahmen, so kann es beispielsweise dazu
kommen, dass sich der nachwuchs im weiteren
verlauf nach der geburt abweichend ängstlich
und aggresssiv entwickelt.
versucht man nun dazu die gesetzmässigkeiten
der natur zu verstehen, so wird ihre genialität
geradezu schlagartig deutlich: in einer umwelt,
die massiven unbewältigbaren stress für ein
muttertier darstellt, macht es keinen biolo-
gischen sinn, nachwuchs zu haben. der nach-
wuchs kommt deshalb dort nicht weiter
zustande. ist ein trächtiges muttertier weniger
dramatischen, aber immer noch kaum bewältig-
barem stress ausgesetzt, so gelangt auf dem
indirekten weg der mütterlichen stressreaktion
die botschaft an den heranreifenden nach-
wuchs, sich auf eine belastungsreiche umwelt
einzustellen, so kommen jungtiere zur welt,
die offensichtlich schon vorgeburtlich darauf
eingestellt sind, später ihr leben in einer
offenbar gefahrvollen umwelt durch erhöhte
ängstlichkeit und aggressivität zu sichern.
selbstverständlich läuft nicht immmer alles nur
so ab, wie hier verkürzt und vereinfacht
dargestellt. die bandbreite an möglichkeiten ist
gross und die verschlungenen wege sind oft so
versteckt, dass sie geradezu heimtückisch
erscheinen und beispielsweise als spätfolge
erst im fortgeschrittenen erwachsenenalter
hirntumore entstehen lassen. sicher ist jeden-
falls, dass hier mehr oder weniger erfolgreiche
anpassungsvorgänge stattfinden, die zwar an
den genen ansetzen, sie aber nicht verändern,
sondern nur einfluss auf die art ihrer
realisierung nehmen.
kennt man das vorher beschriebene wirkungs-
gefüge der natur nicht - und das ist leider noch
überwiegend der fall -, so kommt auch der
wohlwollendste züchter trotz bester absichten
fast zwangsläufig zu falschen schlüssen. nach
bisherigen denkgewohnheiten ist naheliegend,
dass beispielsweise die erhöhte neigung zu
angst und aggresssivität sowie zu wesens-
mängeln bei den hunden seines letzten wurfes
in einer unglücklichen verpaarung anzu-
nehmen ist. und so steht womöglich schnell
der vorher hoch gepriesene rüde als
schlechter vererber unter vielleicht gar noch
zuchtausschliessendem verdacht.
wer ein bisschen über die tatsächlichen
zusammmenhänge nachdenkt, wird anhand
dieses beispiels auch erkennnen, dass solchen
und zahlreichen ähnlichen auswirkungen schon aus prinzipiellen gründen nicht mit einem
noch so schlauen statistischgenetischen
computerprogramm der zuchtwertschätzung
beizukommen ist.
es könnte aber auch sein, dass der diesen zusammmenhang erkennnende züchter aus
dem gefühl des unbehagens und dumpfer
ahnungen unbewusst der selbstberuhigung
zum opfer fällt.
und so geht er vielleicht davon aus, dass seine
hündin ja immer geschont wird, wenn sie
trächtig ist, und unser beispiel sowieso nur in
extremfällen, also höchst selten auftreten
dürfte. dem sei hier praxisbezogen gegenüber-
gestellt, dass es beispielsweise eine grosse zahl
von hunden gibt, für die hoher und unbewältig-
barer stress entsteht, wenn sie sich selbst
überlassen werden. vor allem ist das dort der
fall, wo das alleinsein nicht richtig gelernt
wurde und deshalb - auch bei trächtigen
hündinnen - tiefgreifende verlassenheitsangst
entsteht.
das gilt auch dort, wo sich die davon betrof- fenene hunde irgendwann - gewissermassen
aus selbstschutz - der resignation hingeben
und dann völlig ruhig erscheinen. wer unser
frühwaverhaltensstörungen kennt / siehe auch
literaturhinweise, weiss, wie man die negativen
folgen sonst oft gar nicht durchschauter über-
forderungen vermeiden kann.
vielleicht wird aber auch einsichtig, was es
bedeutet, mit einer trächtigen hündin auf eine
hundeausstellung zu gehen, oder mit ihr an
mehr oder weniger sportlichen veranstaltungen
teilzunehmen - wo man ihr den zustand doch
gar nicht ansieht!
wer also beste absichten, aber auch klare
einsichten hat, dürfte schon jetzt von der
dunklen vorahnung beschlichen werden, dass
wir uns bei den bemühungen um verbesserung
in der zucht wohl eher in einem labyrinth von
unerkannten und oft selbsterzeugten problemen
bewegen. etwas schonungslos und ernüchternd
sei darüberhinaus angekündigt, dass unsere
weiteren betrachtungen den eindruck kaum
vermeiden können, trotz bester absichten im
zuchtgeschehen gewissermassen das pferd von hinten aufzuzäumen und mit der stange in
einer genetischen vernebelung herumzustochern.
wie mittlerweile deutlich geworden sein dürfte,
hängt das verhalten und wesen unserer hunde
nicht nur von ihrer jeweiligen veranlagung ab,
sondern auch davon, in welcher weise ihre
gene durch ihre umwelt zur entfaltung kommen.
dabei ist unstrittig, dass sie entsprechend ihrer
rassezugehörigkeit jeweils unterschiedliche,
genetisch bedingte verhaltenstendenzen
aufweisen. die unterschiede stecken also nicht
nur in ihren variationsreichen erscheinungs-
bildern und in ihren unterschiedlichen körper-
lichen fähigkeiten. auch was sie wie gut lernen
können, hängt von ihren verschieden
veranlagten lernfähigkeiten ab. das führen uns
beispielsweise hüte- und jagdhunde nicht nur
in ihren ursprünglichen arbeitsgebieten vor
augen. auch als familäre sozialpartner oder
noch mehr als katastrophen- und rettungs-
hunde, womöglich sogar als blindenführhunde
erbringen sie für uns menschen faszinierende
leistungen.
allerdings darf ebenso wenig verleugnet
werden, dass es solche absichtsvoll herbeige-
führten zuchtergebnisse bei hunden gibt,
deren angeborene bereitschaft für soziales
lernen und sozialverhalten in einem völlig
unnnatürlichen umfang so eingeschränkt ist,
dass sie direkt oder potentiell eine ernste
gefahr für leib und leben von mensch und tier
darstellen können.
in solchen abartigen fällen sind bei der hündin
zum beispiel schon während des geburtsgesche-
hens die natürlichen abläufe der erstversorgung
ihrer welpen und das brutpflegeverhalten mehr
oder weniger massiv gestört. der nachwuchs
wird nicht nur vernachlässsigt, sondern von der
hündin je nach dem grad ihrer ausfallser-
scheinungen drangsaliert oder - sofern sie
davon nicht gehindert wird - getötet. aber auch
die welpen zeigen sich abnormal. sie können
mit ihren geschwistern oder auch anderen
welpen kaum oder gar nicht spielen und ihr
verhalten ist in weiten bereichen unnnatürlich
stark von unsicherheit, angst und aggresssion
sowie der unfähigkeit gekennzeichnet, für ein
normales leben in der gemeinschaft aus-
reichend sozial lernen zu können.
hier geht es also nicht um eine fehlende also
versäumte sozialisierung, sondern um die
unfähigkeit zur sozialisierung!
weitergehende folgerungen gehören mehr in
den bereich ethischer
massstäbe unserer gesellschaft als in die
alltagsphilosophie unseres hundewesens, das
davon ja immer wieder selbst nachhaltig
geschädigt wird.
für einen körperlichen und psychisch gesunden
fortbestand unserer hunde ist daher von
grösster bedeutung, darauf in verpflichtender
weise zu achten, dass alle elementaren lebens-
und verhaltensvorgänge uneingeschränkt
funktionstüchtig sind. zuverlässsig erkennbar
ist dies an der instinktsicherheit einer hündin.
sie kommt vor allem durch deren fortpflanz-
ungsverhalten, ihrer selbständigen gebährfähig-
keit und allem im zusammenhang mit der
geburt stehenden verhalten, insbesondere dem
vollständigkeitsgrad des brutpflegeverhaltens
zum ausdruck. dazu gehört beispielsweise das
aufreissen der eihaut, das abquetschen der
nabelschnur, die leckmassage des neugeborenen
welpen, das vertilgen der nachgeburt und das
augenblicks- und situationsgerechte eingehen
auf die betreuungsapelle der welpen.
unnötige eingriffe und manipulationen des
menschen nehmen dem natürlichen geschehen
nicht nur seine aussagefähigkeit über die
verhaltensbezogene erbgesundheit der zucht-
tiere. sie führen bei ihnen auch zu belastenden
stressreaktionen und beim nachwuchs über
verschlungene pfade und wege zu unvermute-
ten, aber oft weitreichenden folgen.
so spricht immer mehr dafür, dass sich schon
sehr früh ein so genanntes körpergedächtnis
entwickelt. beispielsweise kann das fehlen oder
verhindern der natürlichen, mütterlichen
fürsorge zum ausbleiben von initialzündungen
im jungen gehirn des nachwuchses führen und
in dessen späterem erwachsenen leben die
eigene fähigkeit mütterlichen verhaltens
einschränken. hier handelt es sich um
sogenannte maternale effekte.
in ähnlicher weise können sich unerwartete
folgen einer rotlichtaufzucht auswirken. unter
normalen bedingungen verhindert die
technischphysikalische wärmestrahlung einer
rotlichtlampe jene natürlichen herausforder-
ungen des heranwachsenden organismus, die
dazu führen, dass die körpereigene thermo-
regulierung nach und nach zur entfaltung
kommt. eine instinktsichere hündin kann und
muss unter vernünftigen aufzuchtbedingungen
solche qualitäten an nestwärme bieten, die
weit mehr bedeuten als nur ausreichende
umgebungstemperaur für die welpen. vielmehr
entstehen durch diese und andere formen
menschlicher überbehütung einschränkungen
in der fähigkeit des organismus, sich auf die
unterschiedlichsten anforderungen des lebens
angepasst einstellen zu können. dies hat vor
allem für die gemeinsame entwicklung des
körpers und seiner sinne und damit auch für
das lernen und verhalten weitreichende
bedeutung.
für den heranwachsenden welpen sind seine
sinnesorgane gewissermassen die fenster zur
welt. wie wir selbst beobachten können,
öffnen sie sich nicht alle gleichzeitig. so gehen
beispielsweise die augen und gehörgänge etwa
erst 14 tage nach der geburt auf, während der
tast- sowie der geruchs- und geschmackssinn
bereits bei der geburt relativ weit gereift ist
und zum teil auch schon vor der geburt
ansatzweise funktioniert.
die reifung der sinnnesorgane geht in der weise
und in der reihenfolge von statten, wie sie im
laufe der entwicklung gebraucht werden. im
rahmen seiner jeweiligen gereiften möglich-
keiten macht sich der welpe nach und nach ein
bild von entsteht nicht nur daraus, wie er die
welt in ihrer äusseren beschaffenheit wahr-
nimmt, sondern zugleich auch dadurch, wie er
sie gefühlsmässig erlebt.
heute ist prinzipiell völlig klar, das sich jeder
einzelne welpe sein eigenes bild von jener welt
macht, in die er nach seinen ganz individuellen
umständen hineinwachsen und in ihr tätig sein
kann. dieses persönliche weltbild entsteht in
seinem gehirn. neben seinen fähigkeiten zur
wahrnehmung und verarbeitung der sinnes-
eindrücke / sensorik helfen ihm dabei sein
angebornes wissen und können, dass er
entsprechend seiner genetischen herkunft
besitzt und nach den herausforderungen seiner
umwelt einsetzen kann.
für ein wirkliches verständnis der verhaltens-
entwicklung des hundes ist dabei wichtig zu
verstehen, dass die gesamtheit aller frühen
erfahrungen einschliesslich ihrer damit einher-
gehenden gefühlsmässigen bewertung gewisser-
massen zu einer benutzungs- und erfahrungs-
abhängigen selbstprogrammierung des gehirns
führt. sie bestimmt in weiten bereichen das
spätere verhalten und wesen eines hundes.
wann dazu welche fenster wie lange geöffnet
sind, hängt nicht nur von der natürlichen
abfolge der beteiligten reifungsprozesse ab,
sondern auch davon, welche antriebe mit
welcher intensität durch die veranlagung zur
entfaltung drängen. das alles funktioniert
naturgemäss aber nur dann, wenn der welpe
auf eine umwelt trifft, die ihm den passenden
entwicklungsspielraum bietet.
in der freien natur ist diese als passung
bezeichnete übereinimmung im allgemeinen
gewissermassen automatisch geregelt. denn der
nachwuchs kommt dort zur welt und passt sich
dort ein, wo er auch später lebt und mit den
vorgefundenen umweltbedingungen zurecht-
kommen soll. anders ist das bei unseren hunden.
oft wachsen sie unter umständen auf, die mit
jenen, in welchen sie später leben sollen,
relativ wenig zu tun haben. nehmen wir
beispielsweise einen wurf wunderschöner
berner sennenhunde, die in einer ruhigen und
bilderbuchartigen idyllischen berglandschaft
aufwachsen durften. sind sie bis zur welpen-
abgabe von ihrem züchter nicht ganz gezielt
darauf vorbereitet, die unnatürlichen zivili-
sationsreize einer grossstadt zu ertragen,
werden sie dort ein belastungsreiches hunde-
leben führen müssen, das auch an seinem
zukünftigen besitzer nicht spurlos vorbeigehen
wird. selbstverständlich kommt es auch ganz
wesentlich darauf an, mit welchem wissen und
geschick der hoffnungsvolle welpenbesitzer das
tut, was es gerade am anfang für eine
gelingende eingewöhnung und den aufbau einer
innerlich bereichernden beziehung braucht.
hier sei auf den sonderdruck spielend vom
welpen zum hund als praxisorientierte start-
hilfe für eine harmonische partnerschaft
hingewiesen / siehe literaturhinweis.
unser bemühen im vorliegenden leitfaden
konzentriert sich hingegen mehr darauf,
weitere wichtige und bisher weniger bekannte
zusammmenhänge vor augen zu führen.
damit ein hund das wird, was er nach seinen
veranlagung in seinem verhalten und wesen
sein kann, müssen seine sinne rechtzeitig
gefordert und damit die entwicklung seines
gehirns frühzeitig gefördert werden. entgegen
verbreiteten vorstellungen und falsch verstan-
denen praktiken, besteht eine frühe förderung
aber nicht darin, dass die bisher üblichen
umgangsformen mit dem erwachsenen hund
einfach in das welpenalter vorverlegt
es geht auch nicht darum, dass hunde in ihrer
ausbildung früher fertig gemacht werden
können / im doppelten sinn, um dann doch nur
das gewohnte niveau mit den bekannten
wesensmängeln zu erreichen. und schon gar
nicht ist es richtig, zu glauben, einem welpen
müsse alles erdenkliche frühzeitig, also in den
ersten 16 lebenswochen eingetrichtert werden,
damit er fürs leben geprägt wäre / auch über
das tatsächliche geschehen der prägung und
prägender lerneffekte haben wir umfangreich
publiziert.
der förderliche einfluss, wie wir ihn auf der
grundlage wissenschaftlich gesicherter
erkenntnisse dringend anraten, besteht vor
allem darin, unseren heranwachsenden hunden
in der richtigen reihenfolge und dosierung das
zu geben, was sie ihrer natur nach für eine
gute anpassungs- und bewältigungsfahigkeit in
einer zivilisationsumwelt wirklich brauchen,
ihnen aber im allgemeinen unerkannt vorent-
halten wird.
eine elementare und vielfältig wirksame grund-
lage der lebensbewältigung heisst emotionale
sicherheit. sie entsteht beim hund während des
frühen heranwachsens aus der grunderfahrung
von geborgenheit und verlässlicher fürsorge
seitens des fürsorgegaranten. und diese wird
vom geburtsgeschehen an durch die hündin an
ihre welpen vermittelt, sofern sie instinktsicher
und ihr dabei und im weiteren brutpflegever-
halten vom menschen nicht hineingepfuscht
wird!
erst im verlauf nach etwa zwei bis drei wochen
übernimmt - für den welpen spürbar - der
züchter teilleistungen des fürsorgegaranten
und bahnt damit bei ihnen die positive
einstellung auf das artbild des menschen an.
so entsteht zwischen den einzelnen welpen und
ihrem züchter immer mehr eine gefühlsmässige
beziehung, die bindung genannt wird. sie wird
umso tragfähiger und damit sicherer, je
abwechslungsreicher die zur verfügung
gestellte entwicklungsumwelt ist und in ihr
gemeinsam mit dem züchter lustvolle
aktivitäten stattfinden. vor der welpenabgabe
sollten dann - gewissermassen als krönender
abschluss - mindestens ein oder zwei soge-
nannte betriebsausflüge arrangiert werden.
gemeint sind damit ausflüge, bei welchen die
welpen im schutz der gemeinschaft mit den
geschwistern, der hündin und des züchters frei
von unnötigen ängsten ein stück neue und
fremde umwelt erkunden und positiv erleben
können.
zu allem was die heranwachsenden welpen in
ihrem innern brauchen, gehören auch die
nötigen äusseren voraussetzungen. denn
beispielsweise schränken die nasskalten und
nur sehr kurzen tage der schlechten jahreszeit,
etwa november bis februar die erlebnis- und
lernqualitäten erheblich ein. die naturgegebene
rhythmik im jahreslauf hat zudem starken
einfluss auf die aktivierung des organismus von
mensch und tier. es ist ja kein zufall, dass in
der natürlichen umwelt jungtiere im allge-
meinen dann geboren werden, wenn sie die
besten voraussetzungen für ihre entwicklung
haben. in diesem sinne ist es auch nicht
verwunderlich, dass heinz weidt seit mehr als
25 jahren einen aufzucht/abenteuerspielplatz
für welpen propagiert und dazu schliesslich
noch spezielle lernstrukturen entwickelt hat.
ein welpe traut sich zunächst umso mehr zu,
je sicherer er sich im bedarfsfall der verfügbar-
keit und der schutzfunktionen seines fürsorge-
garanten ist. damit ist die aus einer sicheren
bindung entscheidend daran beteiligt, dass
sich das lernverhalten positiv entwickelt und
die natürlichen ängste vor unbekanntem
schritt um schritt überwunden werden sowie
die gegebenheiten der umwelt richtig
eingeordnet werden können. und so ist es
eigentlich ganz einfach zu verstehen, dass
eine sichere bindung dem natürlichen ziel des selbstständig werdens junger lebewesen und
dem erlangen ihrer selbstsicherheit dient.
das gilt beispielsweise auch dann, sollte einmal
ein züchter den einen oder anderen welpen
länger bei sich behalten müssen. so wäre es
schlichtweg unsinnig, einen übrig gebliebenen
welpen psychisch in der luft hängen zu lassen
und ihm als züchter kein hort des vertrauens
zu sein, damit er sich vermeintlich später
besser auf den künftigen hundehalter
einstellen kann.
aus dem natürlichen bindungsbedürfnis des
welpen heraus ist genau das gegenteil nur allzu
leicht verständlich: die emotionale sicherheit
gibt die kraft, psychische belastungen besser
zu ertragen, also trennungen leichter zu
überwinden und neue beziehungen vertrauens-
voller einzugehen. langjährige erfahrungen mit
blindenführhunden zeigen dies deutlich.
aufgrund ihres speziellen werdeganges wechselt
ihr fürsorgegarant häufiger als sonst üblich,
während sie zugleich besonders hohen lern-
leistungen und psychischen anforderungen
ausgesetzt sind.
es ist also wirklich an der zeit, die tiefgrei-
fende bedeutung für das psychische leistungs-
vermögen unserer hunde zu verstehen und die
verfügbaren kenntnisse / siehe auch genannten
sonderdruck, in die alltagspraxis zu
überführen.
tut man dies nicht, so ist geradezu ein hohn,
alle möglichen statistischen und sonstigen
aufwendungen sowie züchtungsgenetische
massnahmen zu betreiben, um damit nach
nebulösen genen zu suchen, die für wesens-
mängel verantwortich sein sollen.
um das ganze körperliche und psychische
leistungsvermögen, das in unseren hunden
veranlagungsgemässig steckt, zur entfaltung
kommen zu lassen, brauchen sie nicht nur alle
bisher aufgezeigten äusseren rahmen-
bedingungen. in ebenso unverzichtbarer weise
braucht es seitens des jeweiligen fürsorge-
garanten von geburt des welpen an ganz
bestimmte umgangsformen. damit ist die art
des wechselseitig aufeinander bezogenen
verhaltens beider handlungspartner gemeint /
interaktion. zur erinnerung: anfänglich ist der
fürsorgegarant die instinktsichere hündin, dann
mehr und mehr parallel dazu der züchter und
schliesslich der welpenbesitzer.
in diesem geschehen des wechselseitigen
aufeinander eingehens sind unauffällige, aber
ausserordentlich weitreichende gesetzmässig-
keiten verborgen. erst wenn sie in ihrer
funktion verstanden sind und im alltag regel-
mässig eingehalten werden, kann sich das
verhalten und wesen so entwickeln, wie es im
allgemeinen erwartet wird.
eine instinktsichere hündin besitzt dazu die
angeborene sicherheit des biologisch richtigen
handelns. sofern der züchter oder welpen-
besitzer aus dem bauch heraus nicht ver-
gleichbare fähigkeiten hat, muss er sie sicht
durch einsicht und praktisches tun erwerben.
dazu wollen wir auf einige prinzipielle
zusammenhänge anhand eines praktischen beispiels näher eingehen. ausgangspunkt ist
der geschehensverlauf an einem speziellen
lernspielgerät, dessen tiefgründige funktionen
kaum erkennbar sind.
im alter von etwa drei bis vier wochen
beginnen welpen ihre nähere umgebung
ausserhalb der wurfkiste zu erkunden. dort
hat der züchter neben anderen lernstrukturen
ein sogenanntes balancierkarussell bereitge-
stellt. zu unserer vereinfachung beobachten
wir nur einen einzigen welpen und nehmen
dabei etwa folgenden verlauf an:
der welpe wird in vorsichtiger zurückhaltung
dieses bisher unbekannte objekt beschnuppern
und es irgendwann mit seinen pfoten erkunden,
vielleicht auch nur zufällig berühren. die
dadurch ausgelösten wackelbewegungen stellen
sich für ihn wie eine antwort auf sein vorange-
gangenes tun dar und erwecken vielleicht mit
etwas verzögerung erneut und eventuell noch
etwas intensiver seine neugier. das kann sich
mehrfach hintereinander, mit oder ohne zeit-
liche abstände wiederholen. diesem wieder-
holen liegt gewissermassen die strategie zu
grunde, herauszufinden, ob diese objekt
wirklich gefahrlos und das geschehen nur
zufällig ist oder einer gewissen logik unterliegt.
irgendwann wird sich der neugier- und erkun-
dungsdrang gegenüber der angst vor unbekann-
tem so weit durchsetzen, dass dieses immer
noch relativ unbekannte objekt erklommen und
darauf fortbewegungen versucht werden. es ist
dann eine frage des reifegrades und der
erreichten bewegungsfähigkeit, bis es dem
welpen gelingt, sich auf dem schaukelnden
objekt balancierend fortzubewegen. schon
nach wenigen versuchen und innerhalb von ein
paar tagen wird er sich lustvoll mit dem
balancierkarussell auseinandersetzen und auch
dem geübten und kritischen beobachter den
sicheren eindruck vermitteln, dass sich der
welpe darauf wie zuhause fühlt. die für ihn
nicht voraussehbaren schaukel- und drehbewe-
gungen, welche er selbst oder auch die weiter
beteiligten geschwister auslösen, können ihn
nicht aus seinem ganz offensichtlich freudig
gestimmten inneren gleichgewicht bringen.
vielmehr beschäftigt er sich immer wieder mit
dieser lustvollen herausforderung. im verlauf
der relativ schnellen körperlichen und
pysischen entwicklung wird auch deutlich,
dass seine fähigkeiten im bereich der
sensomotorik und psychomotorik stark
zunehmen und der umgang mit dem
balancierkarussell immer heftiger,
aber auch immer selbstverständlicher wird.
das ist auch logisch, wenn mit zunehmendem
gewicht des heranwachsenden welpen werden
die ausgelösten schaukel-, wackel- und drehbe-
wegungen immer stärker und die anforderungen
an die sinnes- und körperleistungen immer
grösser. es findet ein geradezu automatisch
gesteuerter, sich selbst organisierender und
sich selbst fördernder entwicklungsprozess
statt. fragt man nun danach, was dabei alles im
organismus und bei der verhaltens- und
wesensentwicklung stattfindet, wird man über
die vielschichtigkeit erstaunt sein.
anhand des aufgezeigten beispiels lässt sich
schon bei erster grober betrachtung feststellen,
dass es dem welpen möglich war, durch eigenes
tun etwas zu bewirken und dabei an sich selbst
zu wachsen. allein die bereitstellung geeigneter
rahmenbedingungen durch den züchter hat
genügt, die entfaltung und das gefühl von
selbstwirksamkeit und situationsbeherrschung
entstehen zu lassen. der welpe konnte aus dem
gefühl der vertrauten
geborgenheitsgefühl aus der verfügbaren nähe
der hündin, also aus einer sicheren bindung
heraus, seine natürliche eigenaktivität zum
erkunden entfalten. dabei konnte er zugleich
die ebenfalls natürliche unsicherheit gegenüber
neuem in sicherheit wandeln. in seinem
emotionalen gedächtnis hat sich eingeprägt,
dass er unbekannten und gefahrvoll erscheinen-
den situationen nicht hilflos ausgeliefert,
sondern dazu fähig ist, sie zu bewälgtigen.
mit diesem startkapital an selbstsicherheit hat
er gute voraussetzungen, sich schrittweise seine
welt zu erobern und sich durch weiteres lernen
von ihr ein bild zu machen, das frei von
unnötigen ängsten ist.
die aktivität des balancierens haben aber auch
seinen gleichgewichtssinn herausgefordert. zur
orientierung und stabilisierung der eigenen
lage im raum wurde ein grossteil seiner sinne
mobilisiert und dadurch sehr wirkungsvoll lern-
und integrationsleistungen herbeigeführt sowie
die hirnentwicklung angeregt. es wird auch
wenig wundern, dass als nebeneffekt welpen
unter solchen aufzuchtbedingungen kaum
probleme haben, wenn sie später den schaukel-
bewegungen des autofahrens ausgesetzt sind.
beispielsweise dann, wenn sie beim züchter von
ihrem künftigen hundehalter abgeholt werden.
der grosse schweizer kinder- und entwicklungs-
psychologe jean piaget / 1896 bis 1980 hatte
schon vor circa 60 jahren darauf aufmerksam
gemacht, dass die sensomotorische entwicklung
des kleinkindes eine grundlage der entfaltung
der geistigen fähigkeiten des menschen ist. die
heutige moderne hirnforschung bestätigt dies
auf eindrückliche und differenzierte weise.
diese erkenntnisse sowie eigene praktische
versuche und erfahrungen haben uns deshalb
dazu geführt, überall dort, wo aus den unter-
schiedlichen gründen bei hunden hohe anfor-
derungen an ihr wesen sowie an ihre lern- und
verhaltensleistungen gestellt werden,
entsprechende entwicklungsbedingungen zur
grundlage zu machen. gerade auch hier hat die
blindenführhundeschule allschwil äusserst
engagiert wie erfolgreich neuen wegen der
praxis die türe geöffnet.
wie ebenfalls mit dem beispiel des balancier-
karussells aufgezeigt, besteht ein wesentliches
prinzip der entwicklungsförderung darin, lern-
gelegenheiten und lernschritte so zu
arrangieren, dass sie immer wieder neue und
reizvolle, aber nicht überfordernde, sondern
stets bewältigbare anforderungen darstellen.
so kann die bewältigungsfähigkeit immer
wieder aus sich heraus - gewissermassen
automatisch wachsen. auf diese weise verschieben sich die grenzen der belastbarkleit
immer weiter nach oben und lassen
zunehmend resistenz gegenüber stress und
somit wesensfestigkeit entstehen. dieses sich
selbst fördernde geschehen findet in der
affektlogik eine weiterführende und gut
verständliche erklärung.
gleichzeitig wird aber auch klar, dass jede form
von überbehütung solche förderlichen prozesse
unterbindet und damit spätere
überforderungen regelrecht provoziert.
verständlicherweise ist es im rahmen dieses
leitfadens nicht möglich, auf die vielschichtige
bedeutung der natürlichen fähigkeiten einer
zuchthündin und auf details einer gelenkten
verhaltensentwicklung ihrer welpen im sinne
von frei entfalten und geführt lernen einzu-
gehen. wichtig ist zunächst einmal, ein sehr
viel besseres, naturkundlich ausgerichtetes
grundverständnis von unserem hund
herzustellen.
natürlichen bedürfnisse eines welpen wirklich
von anfang an ernst und stellt sein wohlergehen
ungeachtet aller späteren ziele in den mittel-
punkt, so wird er schon früh zu einem
kompetenten lebewesen, das mit uns in
besonderer weise einen höchst bereichernden
gemeinsamen weg geht. ergänzen sich züchter
und ihre welpenerwerber in diesem gemein-
samen bemühen, werden sie von zahlreichen
problemen verschont und durch angenehme,
zuverlässige und wesenssichere hunde belohnt.
wir werden dazu weitere hilfestellungen
bereitstellen. dieser leitfaden ist als sonder-
druck kostenlos erhältlich bei:
KYNOLOGOS AG
gesellschaft für angewandte
verhaltensforschung bei hunden
habersaat / CH-8914 aeugstertal
0041-44-776 11 87
0041-44-776 11 89
info@kynologos.ch
www.kynologos.ch
hundeverhalten - das lexikon
a. weidt / isbn 3-9523030-0-3 / fr 29,50
das buch ist beim schweizer hunde magazin,
kynologos ag, qualipet oder im buchhandel
erhältlich.
spielend vom welpen zum hund
hunde verstehen - signale rechtzeitig sehen
schweizer hunde magazin /
erlenweg / ch-8305 dietlikon
bei der schriftlichen bestellung der
gratis-sonderdrucke legen sie bitte ein an sie
adressiertes und frankiertes rückantwort-
couvert / c4 bei.
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